Der resignierte Fischer (de).
by Marcel Hofer
In Chicago ist der Wurm drin, wie in einem Apfel, den zwei Verliebte aus dem Vorland im Park liegen lassen haben, nur dass die Stadt mehr grün als blau ist. Geiz gehört hier nicht zum guten Ton, was wohl daran liegt, dass hier alle ungern allein wären. Die Menschen im Hafenlokal tanzen zum roten Teufel, welcher ohne zu Blinzeln sein Banjo bespielt – vielleicht war sein Name auch anders? Chicago qualmt dazu gierig im Takt, über die Szenerie des Umlandes hinweg, ohne Fragen zu stellen, wer denn hier ihren ökologischen Fußabdruck kritisiert. Im Abendlicht verschwimmt ein alter Fischkutter, vom Kapitän verträumt als Marie-Louise getauft, zwischen Bergen von blutrotem Porphyr. Ein weinendes Auge hat der Seefahrer in Richtung Festland geschwenkt, das Zweite sucht eifrig nach dem richtigen Weg. Winterdepression, als neue Volkskrankheit, ist dem Kapitän seit '79 kein Begriff mehr, obwohl er manchmal seinen Entdeckerdrang mit Whisky herunterspült. Wann es denn endlich wieder froh wird? Was das Festland mir zu bieten hätte? Wer meinen Kutter mal erbt? Warum ich mir nur selten solche Fragen stelle? Wasser über Wasser, Whisky über Heimweh, Fische für das Volk.
